Die Stellung des Wellensittichs im Vogelreich
Der Wellensittich gehört zur Ordnung der Papageien
(Psittaciformes). Bis vor einigen Jahren wurde er der Familie der Plattschweifsittiche
(Platycercinae) zugeordnet, in der er als einzige Art der Gattung Wellensittiche,
Melopsittacus, bildete.
Heute wird er in die Familie der Wellensittiche, Melopsittacdae, für
sich alleine gestellt.
Er bildet somit auch alleine die Gattung Melopsittacus undulatus, was
soviel wie "singender Wellenpapagei" bedeutet.
Gibt es weitere Unterarten?
Nach allgemeiner Auffassung haben sich bei dem Wellensittich,
als Steppenbewohner - ohne trennende Wälder, Gewässer oder Gebirge
- keine Unterarten gebildet.
Es wurde zwar versucht den nördlichen Wellensittich (Melopsittacus
u. intermedius) und den westlichen Wellensittich (Melopsittacus u. pallidiceps)
vom eigentlichen Wellensittich (Melopsittacus u. undulatus) der Nominatform
des übrigen Australien zu trennen, doch konnten dabei keine signifikanten
Unterschiede festgestellt werden.
In der Natur
Der Wellensittich ist in ganz Australien zu finden. Einzige
Ausnahmen sind geschlossene Waldgebiete wie z. B. im Nordosten und im
Südwesten des Kontinents. Auch meidet er Küstengebiete und ist
auf Inseln nicht an zu treffen. Einzige Ausnahme ist Kangoroo Island,
wo er zur Brutzeit gelegentlich auftritt.
Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das gesamte innere des
Landes, das sich aus Steppen, Halbwüsten, Busch und offenen Eukalyptuswäldern
zusammensetzt.
Er führt außerhalb der Brutzeit ein Nomadenleben.
Sein Bestand ist durch extremen Lebensbedingungen enormen
Schwankungen ausgesetzt wie z. B. lang anhaltende Dürrezeiten in
denen er verhungert. Durch die Besiedlung des Landes durch den Menschen
gibt es viele künstliche Wasserstellen, Äcker etc., die ihm
das ganze Jahr über Nahrung und Wasser bereit halten.
Die Nahrung des Wellensittichs besteht aus verschiedenen Grassamen und
einigen Kräutern. Diese Nahrung und Wasser findet er nach Regenfällen
in den Creeks (periodisch wasserführende Bäche). Dort wachsen
auch Eukalyptusbäume, Akazien und diverse Büsche, in deren Zweigen
der Wellensittich seine Sozialstunden verbringt. Von dort aus geht er
auf Nahrungssuche, genehmigt sich ein Bad und kehrt dann wieder zurück,
um die Nächte im schütztenden Laub zu verbringen.
In den meisten Fällen dienen große Eukalyptusbäume als
Nisthöhlen. Nach den ersten Regenfällen suchen sich Wellensittichpaare
geeignete Höhlen (das ist die Aufgabe des Wellensittichmännchens)
und brüten dort oft zu mehreren Paaren im gleichen Baum. Wenn sich
ein solcher Nistplatz nicht findet, werden auch Zaunpfähle, Stämme
o. ä. bezogen, am liebsten die höher gelegenen. Der Wellensittich
bildet in dieser Zeit Kolonien von 5 bis 30 Paaren. Sie brüten ganz
dicht bei einander. Das dichte Zusammenleben regt den Bruttrieb der Paare
immens an, was auch nötig ist, um die begrenzte Zeit bis zur nächsten
Dürre auszunutzen.
Die Regen- und Brutzeit erstreckt sich im Norden und Nordosten
Australiens zwischen November bis Februar, manchmal sogar bis in den April.
Im Westen des Landes regnet es von August bis Dezember.
Im Inneren des Landes regnet es sehr unregelmäßig, Regenfälle
können sogar ausbleiben. Doch im Südosten und Südwesten
Australiens gibt es Regen von August/September bis Dezember.
Zu diesen Zeiten brüten in diesem Abschnitt Australiens viele Wellensittiche.
Nach der Brutzeit fliegen sie in Richtung Norden, um der Winterperiode
zu entkommen. Im Frühjahr kehren sie wieder zurück. Der Wellensittich
ist also in dieser Gegend ein Zugvogel.
Man weiß wenig über die Balz und Brut in der
natürlichen Umgebung. Nur dieses:
Wie schon gesagt, sind die Brutkolonien bedeutend kleiner. Die Wellensittiche
verhalten sich sehr still. Kaum hörbar ist das Glucksen und Zwitschern
des balzenden Männchens. Es umwirbt seine Auserwählte mit einem
aufgeregten Nicken, schnäbelt mit ihr und füttert sie, bis es
schließlich zur Paarbildung kommt. Nun beginnt für das Männchen
die Suche nach einer geeigneten Bruthöhle. Ist diese gefunden, schlüpft
das Männchen mehrmals hinein und hinaus, um das Weibchen auf diese
Höhle aufmerksam zu machen, damit diese die Bruthöhle begutachten
kann. Sagt dem Weibchen die Höhle zu, so verbringt sie immer mehr
Zeit in dieser Höhle. Wellensittiche bauen kein Nest, sie brauchen
kein Nistmaterial. Das Weibchen nagt nur etwas am Einschlupfloch herum,
aber dies hat nichts mit dem späteren Nisten zu tun..
Die Henne legt die Eier auf den Boden der Nisthöhle, in der sich
meist nur Holzmulm befindet, welches schon in der Höhle vorhanden
ist. Sie legt dort ca. jeden zweiten Tag ein Ei, also insgesamt ca. sechs
Eier. Sie brütet diese allein aus, wird aber in dieser Zeit vom Hahn
gefüttert.. Das Männchen ist also immer in der Nähe der
Nisthöhle. Nach ca. 18 Tagen schlüpft das erste Küken.
Wenn die Regenzeit in einer Brutperiode länger anhält, brüten
die Wellensittiche noch ein zweites oder drittes Mal. Wenn die Dürrezeit
beginnt, sammeln sich die Wellensittiche wieder, um an die noch verbliebenen
Wasserstellen gemeinsam zu gelangen.. Dort können sich Dramen abspielen,
da sich tausende von Wellensittiche gegenseitig ins Wasser drücken
und ertrinken, um einen Schluck Wasser zu bekommen. Oder sie verhungern,
da die Gräser schon auf ihrem Weg zum Wasser vertrocknet sind. Es
überleben also nur die stärksten Wellensittiche unter ihnen.
Doch wenn die nächste Regenzeit beginnt und Wasser und Nahrung zur
Genüge wieder existiert, gleicht die Natur die Verluste der Wellensittiche
wieder aus.
Überleben in der Wildnis
Der Wellensittich muss sich sehr anpassen, um in einer
so kargen Landschaft überleben zu können.
Da seine Nahrung nur aus Gräsern und deren Samen besteht, kann er
auch in wüstenähnlichen Landschaften überleben. Er lebt
zwar lieber in Gegenden, wo er Wasser findet, aber auch Tautropfen reichen
ihm, um seinen Durst zu stillen. Meist trinkt er nur morgens und abends,
bis sein Kropf voll ist. Er hat sich so ein "Wasserreservoir"
erschaffen, mit dem er über den Tag haushalten kann. Am Tage bleibt
der Wellensittich im Schatten der Bäume ruhig sitzen. Wenn die Außentemperatur
die Temperatur seines Körpers fast erreicht hat, fängt er an
zu hecheln, um sich durch Verdunstung des Wassers im Kropf Kühlung
zu verschaffen.
Der Wellensittich kennt in diesen Regionen des Landes keine festen Brutzeiten,
er kann also jederzeit, wenn es die Wetterbedingungen zulassen, mit dem
Brüten beginnen. Das können Wellensittiche, die im Süden
Australiens leben, nicht.
Durch die große Fruchtbarkeit dieser Wellensittiche (zwei bis drei
Bruten hintereinander) ist ein Überleben dieser Art gegeben. Ferner
sind sie auch sehr früh, meist nach drei Monaten, geschlechtsreif.
Also können während einer langen Regenzeit auch schon die Nachkommen
anfangen zu brüten und ihrerseits die Küken großziehen.
Durch das Balzen der Hähne und dem geselligen Beisammensein überhaupt
in einer Brutkolonie, stimulieren die Wellensittiche immer wieder zu neuem
Brutbeginn.
Lebensart
Wenn Wellensittiche in großen Schwärmen fliegen,
werden alle Bewegungen, wie z. B. Wendungen, synchron ausgeführt.
Dieses Verhalten dient dazu, um lange Flugstrecken wegen Nahrungssuche
oder finden einer neuen Wasserstelle zu überwinden. Ferner halten
sich Wellensittiche mit diesem Flugverhalten Greifvögel vom Leibe.
Falken z. B. reißen keinen Wellensittich in geschlossener Formation,
sondern nur geschwächte oder kranke Tiere, welche dem Schwarm nicht
mehr folgen können.
In kleineren Gruppen wie z. B. einer Brutkolonie, fliegt
der Wellensichttich langsamer und in Wellenlinien. Meistens hält
er die Flügel etwas schräg nach unten gespreizt, wenn er zur
Landung ansetzt, um Kräfte zu sparen.
Zur Nahrungsaufnahme benutzt er seinen Schnabel und nicht, wie der Papagei,
seine "Hände". Mit seinem Schnabel sammelt er Samen vom
Boden oder er hängt sich an Gräsern, Ähren o. ä.,
um an deren Samen zu gelangen.. Er kann auch über Kopf an Zweigen
u. ä. herumklettern.
Wenn er die Flügel hebt oder einen Flügel nach
hinten streckt und auch den Fuß der selben Seite, dann steckt sich
der Wellensittich. Wenn er aber die Flügel leicht abstellt, ist ihm
zu warm. Um sich genügend Erfrischung zu verschaffen, hechelt er
auch, dann ist sein Schnabel geöffnet.
Hat der Wellensittich seine Körperpflege beendet, schüttelt
er sein gesamtes Gefieder, um Schuppen, Staubteile o. ä. zu entfernen,
was ihm mit dem Schnabel oder Krallen nicht gelungen ist.
Wenn der Wellensittich einen "Gedankensprung"
macht, kratzt er sich meist am Kopf oder nestelt mit dem Schnabel im Gefieder
herum.
Er wetzt sich auch nicht den Schnabel, sondern säubert ihn nach jeder
Mahlzeit z. B. an einem Zweig.
Der Wellensittich schläft auf einem Fuß, der andere ist im
Gefieder "verschwunden". Den Kopf steckt er ins Rückengefieder.
Wenn die Nacht kühl ist, plustert er sich etwas auf. Das kann auch
manchmal am Tage sein.
Macht dies der Wellensittich öfters am Tage, ist er meistens krank.
Da die Wellensittiche in großen Schwärmen leben, haben sie
ein Sozialverhalten entwickelt.
Manches ist ihnen angeboren, manches müssen die Vögel lernen.
Die Gefiederpflege steht meist an erster Stelle, da der Wellensittich
schlecht an seinem Kopf bzw. Nacken heran kommt. Dies wird dann von einem
Artgenossen übernommen. Daraus entstand das gegenseitige Kraulen.
Wenn ein Wellensittich gekrault werden möchte, hält er seinen
Kopf seinem Partner oder Nachbarn hin mit etwas abgespreizten Federn.
Ein Drohen kommt manchmal vor, was aber nur so viel bedeutet wie: "Du
tust mir weh". Dies kann sich aber bis zu einem richtigen Gezeter
steigern.
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